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Gesunder Schlaf8. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Memoryschaum oder Federkern? Was belegt ist — und was nicht

Kein System gewinnt grundsätzlich: Was tatsächlich entscheidet, ordnet die Forschung nach Härte und Passung, nicht nach Material. Der dokumentierte Unterschied liegt im Bettklima: Taschenfederkern gilt laut Stiftung Warentest als eher kühl mit gutem Feuchtigkeitstransport, Schaum als wärmer und für Frierende vorteilhaft. Bei Viskoschaum fand das Institut im Labor keine Vorteile bei Abstützung, Druckverteilung und Liegekomfort — nennt aber zugleich dessen belegte Stärken. Offenlegung vorweg: Unser Sortiment ist federkernbasiert — deshalb steht in diesem Beitrag hinter jeder Aussage die Quelle.

Infografik: Memoryschaum oder Federkern — belegte Kennzahlen aus Tests und Studien

Die kurze Antwort: kein System gewinnt generell

Wer zwischen Memoryschaum und Federkern wählt, wählt keinen Sieger, sondern ein Verhalten. Die nüchternste Aussage dazu stammt von Stiftung Warentest. Zu Viskoschaum, also dem Material mit dem Memory-Effekt, hält das Institut fest: «Bei den Abstützeigenschaften, der Druckverteilung und dem Liegekomfort konnten wir im Labor keine Vorteile der Viskoschaummatratzen ausmachen.» Das ist ein Laborbefund eines unabhängigen Instituts zur Materialklasse — keine Aussage über eine Marke und auch kein Urteil darüber, dass Memoryschaum nichts leiste. Dasselbe Institut nennt nämlich im selben Überblick die belegten Stärken von Schaum: Viskoschaum-Matratzen «passen sich der Körperform von Schlafenden an» und «wirken dadurch anschmiegsam», Schaumstoff hat «gute Wärmeisolation, vorteilhaft für Menschen, die leicht frieren», und Schaummatratzen sind «in der Regel leichter zu heben und zu wenden als Latex und Federkern» (Stiftung Warentest, Matratzentypen im Überblick, 01.09.2025).

Was über Schlafkomfort und Wirbelsäulenausrichtung entscheidet, ordnet die Forschung ohnehin nicht nach Materialklasse, sondern nach Härte und Passung — dazu weiter unten mehr. Und es sind nicht nur zwei Systeme im Rennen: Stiftung Warentest führt Latex als drittes. Latex biete ein «besonders anschmiegsames Liegegefühl», sei «meist besonders haltbar» und «empfehlenswert, wenn man leicht friert und für verstellbare Lattenroste», dafür «im Schnitt teurer als Schaumstoff und Federkern», schwerer zu wenden und «für stark schwitzende Menschen eher ungeeignet».

Offenlegung in eigener Sache, gleich zu Beginn: Wir sind ein Bettenhaus mit federkernbasiertem Sortiment. Imperial Interiors führt DUXIANA mit mehrlagigen Federsystemen (ab CHF 5'300), die Boxspring-Eigenmarke NUVOSETTE (ab CHF 3'900, NUVOSETTE-Matratzen ab CHF 2'800), King Koil Reserve Luxury (ab CHF 3'500; alle Einstiegspreise inkl. MwSt, ausgewiesen auf imperial-interiors.com/de/betten) sowie einzelne Lattenrost-Betten mit Federkernmatratzen von Flou. Reine Schaummatratzen führen wir praktisch nur bei Ausziehsofas. Genau deshalb trägt in diesem Beitrag jede Aussage über Memoryschaum ihre Quelle im Text — Sie sollen erkennen können, wo wir referieren und wo wir einordnen. Wörtliche Zitate deutscher Quellen geben wir in Schweizer Schreibweise und Schweizer Zahlenformat wieder.

Memoryschaum: woher das Material kommt und was es tut

Memoryschaum ist viskoelastischer Schaum: Er reagiert auf Druck und Temperatur und formt eine Mulde nach, statt sofort zurückzufedern. ÖKO-TEST beschreibt das sachlich: «Er reagiert auf Gewicht und Körperwärme. Der Körper sinkt an den Auflagepunkten ein, die Matratze passt sich den Körperkonturen an. Sie reagiert aber auf Bewegungen eher träge.» Beide Hälften dieses Zitats gehören zusammen — Anschmiegsamkeit und Trägheit beim Umdrehen sind dieselbe Materialeigenschaft, einmal als Vorteil und einmal als Nachteil erlebt.

Die NASA-Herkunft ist keine Legende, aber sie gehört der Materialklasse und keiner einzelnen Firma. Die NASA dokumentiert in ihrer offiziellen Publikation Spinoff 2005, dass Charles Yost das Material 1966 im NASA-Auftrag über die Stencel Aero Engineering Corporation entwickelte, mit dem Ziel «improvement of airline seating for crash and vibration protection». Beschrieben wird ein «open-cell, polymeric ‹memory› foam material with unusual viscoelastic properties», zunächst «slow spring back foam» genannt, das «flowed to match the contour of the body pressing against it and returned to its original shape once the pressure was removed». 1969 gründete Yost die Dynamic Systems, Inc. und vermarktete die Technologie als «temper foam».

Wie einzelne Hersteller darauf aufbauen, ist Herstellerangabe — und wird hier auch so gekennzeichnet. TEMPUR — die Marke gehört nicht zu unserem Sortiment; wir nennen sie, weil sie das Material geprägt hat — schreibt auf seiner Schweizer Materialseite, das TEMPUR-Material gehe auf «eine Technologie zurück, die zuerst von NASA-Wissenschaftlern entwickelt und dann an Bord der Space Shuttles eingesetzt wurde»; das Material «reagiert auf Ihre Körpertemperatur und passt sich aktiv an Ihre Körperform an», wobei «Milliarden hochempfindlicher Zellen den Druck absorbieren und die Form und das Gewicht Ihres Körpers gleichmässig verteilen» (nach Herstellerangabe, ch.tempur.com). Zur Bewegungsisolation gibt derselbe Hersteller an, das Material isoliere Bewegungen «bis zu 10-mal besser als ein Nicht-viskoelastischer Schaum, mit weniger als 2 % Bewegungsübertragung». Die Bezugsgrösse ist hier wichtig: Verglichen wird laut Hersteller mit nicht-viskoelastischem Schaum, nicht mit Federkern. Und die Kennzeichnung «Certified Space Technologie™» (so die Schreibweise der deutschen TEMPUR-Seite) stammt laut TEMPUR aus einem Zertifizierungsprogramm der Space Foundation, das prüfen soll, ob «ihr Produkt direkt Technologien nutzt, die ursprünglich für den Einsatz im Weltraum oder in einer den Weltraum betreffenden Weise entwickelt wurden»; die Marke werde «unter Lizenz verwendet». Die Space Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, nicht die NASA.

Für den Vergleich zentral: Schaum ist nicht gleich Schaum. Zum Raumgewicht als Qualitätsmass für Schaumstoff nennt ÖKO-TEST 45 bis 55 kg/m³ als optimal; das RAL-Gütezeichen definiert laut derselben Quelle den Mindeststandard mit 35 kg/m³ («Je höher das Raumgewicht, desto elastischer, haltbarer und tragfähiger ist das Material»). Ob diese Werte auf viskoelastischen Schaum übertragbar sind, sagt die Quelle nicht. Kaltschaum ist laut ÖKO-TEST «dank seiner unregelmässigen, groben Porenstruktur» atmungsaktiv und deutlich elastischer als Polyurethan-Weichschäume. Wer «Schaummatratze» hört, meint also oft zwei recht verschiedene Materialien.

Federkern: nicht jeder Federkern stützt punktelastisch

Der häufigste Kurzschluss in diesem Vergleich lautet, Federkern stütze flächig und Schaum punktgenau. Das trifft nur auf einfache Federkerne zu. ÖKO-TEST behandelt beide Bauarten getrennt: Federkernmatratzen stützen demnach «den Körper des Schlafenden lediglich flächig und nicht punktelastisch», beim Taschenfederkern dagegen geben «nur die belasteten Federn nach» — daher dessen hohe Punktelastizität. Als Mindestbestückung für eine Matratze von 90 × 200 cm nennt ÖKO-TEST 400 Federn bei einfachen Federkernmatratzen und 460 Federn beim Taschenfederkern; es gibt laut derselben Quelle auch sehr hochwertige Modelle mit mehr als 1'000 Federn. Wer Federkern mit Memoryschaum vergleicht, muss also zuerst wissen, welchen Federkern er vor sich hat.

Beim Klima ordnet Stiftung Warentest dem Taschenfederkern einen «guten Feuchtigkeitstransport» zu und nennt ihn «deshalb oft gut für stark schwitzende Menschen geeignet». Zur Wärme heisst es: «Geringe Wärmedämmung und damit gut geeignet für Menschen, denen es schnell zu warm wird» sowie «Eher kühl. Wer leicht friert, liegt auf Schaumstoff und Latex wärmer.» Dieser eine Satz ist der ehrlichste des ganzen Themas, weil er Vorteil und Nachteil in einem nennt — je nachdem, wer darauf liegt.

Der Preis dafür ist Gewicht. Federkern ist laut Stiftung Warentest «im Schnitt leichter als Latex, aber schwerer als Schaumstoff, das Anheben kann mitunter mühsam sein». Wer die Matratze regelmässig selbst wendet oder häufig umzieht, spürt das im Alltag.

Wie einzelne Hersteller das lösen, ist wiederum Herstellerangabe — auch bei der Marke, die wir selbst führen. DUXIANA beschreibt sein durchgehendes Federsystem als «precise network of interlocking high-tensile steel springs»; zur Belüftung heisst es: «The spaces around the coils allow our beds to breathe, shuttling body heat out of the mattress» (Herstellerangaben, duxiana.com). Das ist eine Herstellerangabe und ersetzt keinen unabhängigen Test. Belastbar ist an dieser Stelle die Aussage von Stiftung Warentest zur Materialklasse — nicht die Formulierung eines einzelnen Anbieters, auch nicht unsere eigene.

Wärme und Feuchtigkeit: was belegt ist — und wo die Belege aufhören

Der dokumentierte Unterschied zwischen den Systemen liegt im Klima, nicht in der Abstützung. Ausgangspunkt ist eine Zahl von ÖKO-TEST: «Jeder Schläfer verliert pro Nacht durchschnittlich etwa einen halben Liter Feuchtigkeit, der nicht nur von der Decke, sondern auch von der Matratze aufgenommen und wieder abgegeben wird.» Warum das zählt, zeigt die Schlafforschung. Okamoto-Mizuno und Mizuno halten in ihrer Übersichtsarbeit fest, dass Temperatur und relative Feuchte im Bett bei normalem Schlaf «generally maintained around 32 °C to 34 °C, 40 % to 60 % relative humidity» sind; Hitzeexposition erhöht die Wachheit und senkt Tiefschlaf und REM-Schlaf, feuchte Hitze verschärft den Effekt zusätzlich.

Daraus ergibt sich die Zuordnung von Stiftung Warentest. Schaumstoff bietet laut Stiftung Warentest gute Wärmeisolation — vorteilhaft für Menschen, die leicht frieren —, ist für Menschen, denen schnell zu warm ist und die stark schwitzen, aber eher ungeeignet. Viskoschaum bezeichnet das Institut für stark schwitzende Menschen ebenfalls als «ungeeignet» und ergänzt einen Punkt, der in Schweizer Schlafzimmern praktisch wird: «eher schlecht für kühle Räume: Bei Kälte erhärtet Viskoschaum oft zu einer Liegeschale». Wer bei offenem Fenster oder in einem kaum geheizten Zimmer schläft, sollte das vor dem Kauf wissen. Es ist keine Materialschwäche, sondern die Kehrseite genau jener Temperaturabhängigkeit, die den Memory-Effekt ausmacht.

Dass Wärmeverhalten überhaupt messbar schlafrelevant ist, zeigt das Schlaflabor. Kräuchi und Kollegen verglichen 2018 in einem randomisierten Single-blind-Crossover mit 15 gesunden jungen Männern eine Matratze mit hoher gegen eine mit niedriger Wärmekapazität: Der Tiefschlaf stieg selektiv um 16 % (p<0,05), subjektive Schlafqualität und Schlafstabilität verbesserten sich, die Körperkerntemperatur sank stärker (maximal um −0,28 °C), und der Anstieg der Matratzenoberflächentemperatur verzögerte sich (maximale Differenz 6,12 °C). Entscheidend ist, was diese Studie nicht zeigt: Verglichen wurden Matratzen unterschiedlicher Wärmekapazität — nicht Federkern gegen Memoryschaum. Der Schluss von der Wärmekapazität einer Matratze auf ein bestimmtes Matratzensystem ist nicht belegt, und wir ziehen ihn nicht. Zulässig ist allein die allgemeine Aussage: Wie eine Matratze Wärme aufnimmt und abführt, ist messbar schlafrelevant. Dazu gehören die Grenzen der Studie — 15 Probanden, ausschliesslich junge Männer.

Und hier endet die Beweislage früher, als man annehmen würde. Der biomechanische Review von Wong und Kollegen (2019) klammert Temperatur und Feuchte ausdrücklich aus — Arbeiten, die nur diese Grössen untersuchten, wurden von der Auswertung ausgeschlossen; Memoryschaum wird darin auch nicht gesondert evaluiert. Eine belastbare Zahl für den direkten Klimavergleich der beiden Systeme liefert die unabhängige Forschung derzeit nicht.

Was die Forschung ordnet: Härte und Passung, nicht Material

Nach unserer Recherche gibt es keine unabhängige Studie, die Memoryschaum und Federkern direkt gegeneinander an Schlaf-Endpunkten prüft. Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags — und der Grund, warum hier kein System zum Gewinner erklärt wird. Was es gibt, ist eine gut belegte Ordnung nach einer anderen Grösse: Härte und Passung.

Radwan und Kollegen werteten 2015 in einem systematischen Review 24 kontrollierte Studien aus und kamen zum Schluss, dass ein subjektiv als mittelfest empfundenes und individuell anpassbares Bett für Schlafkomfort, Schlafqualität und Wirbelsäulenausrichtung optimal ist; die Evidenz zur optimalen Matratzentemperatur bezeichnen die Autoren als unzureichend. Caggiari und Kollegen bestätigten das 2021 unabhängig: «a medium-firm mattress promotes comfort, sleep quality and rachis alignment», während bei zu weichen Matratzen «hips and shoulders sink too much into the mattress, leading to column misalignment».

Wie stark Steifigkeit wirkt, massen Hong und Kollegen 2022 an drei Matratzen mit Indentation Load Deflection von 20, 42 und 120 lbs. Gegenüber der mittleren Matratze stieg auf der weichen der Kopfabstand um 30,5 ± 15,9 mm, der Abstand der Halslordose um 26,7 ± 14,9 mm und die Spitzenbelastung der Bandscheiben um 49 %. Auf der harten Matratze sank der Abstand der Lendenlordose um 10,6 ± 6,8 mm; die Bandscheibenbelastung stieg nicht signifikant, der Kontaktdruck dagegen schon. Beide Extreme haben also ihre Nachteile — und keines davon ist eine Materialfrage. Diese Werte sind Messgrössen aus einer Laborstudie, keine Diagnose- oder Therapieaussagen.

Dass Schaum in kontrollierten Studien gut abschneiden kann, zeigt eine unabhängige, peer-reviewte Arbeit. Bergholdt und Kollegen verglichen 2008 in einer randomisiert-stratifizierten, einfach verblindeten Parallelgruppenstudie mit 160 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen über einen Monat drei Liegesysteme: ein Wasserbett, eine körperformende Schaummatratze der Marke Tempur und eine harte Futon-Matratze. Wasserbett und Schaummatratze beeinflussten Beschwerden, Funktion und Schlaf positiver als die harte Matratze, «but the differences were small»; zwischen Wasserbett und Schaummatratze fand sich kein relevanter Unterschied. Die Marke wird hier genannt, weil die Studie sie nennt. Und die Grenzen gehören dazu: vier Wochen Laufzeit, ausschliesslich Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, als Vergleichsobjekt eine harte Futon-Matratze — und die Autoren selbst halten die Unterschiede für klein.

Zur Vorsicht bei Kennzahlen mahnt schliesslich der Review von Wong und Kollegen (2019): Der Auflagedruck allein sei als Hauptindikator umstritten («the validity of this approach remains controversial»), und Matratzen «with over-concentrated or over-even pressure distribution produced low satisfaction scores». Die erforderliche Matratzensteifigkeit hänge von Körperbau und Wirbelsäulenkrümmung ab; auch subjektive Komfortbewertungen seien leicht beeinflussbar, weil «comfort» sehr unterschiedlich definiert werde.

Härtegrad, Norm und Haltbarkeit — was die Etiketten hergeben

Der Härtegrad auf dem Etikett ist keine gemeinsame Sprache. ÖKO-TEST hält fest: «Matratzen werden in drei bis vier Härtegraden angeboten. Dabei unterscheiden sich die Härtegrade von Hersteller zu Hersteller.» H2 bei der einen Marke muss also nicht H2 bei der anderen sein. Mehr lässt sich dazu aus unabhängigen Quellen nicht belegen — und mehr behaupten wir auch nicht.

Noch grundsätzlicher wird die europäische Norm EN 1957 (Ausgabe 2012-12; hier zitiert nach der österreichischen Fassung ÖNORM EN 1957). Sie legt die Prüfverfahren zur Bestimmung der funktionellen Eigenschaften von Matratzen und vollständig zusammengesetzten Betten fest — ausgenommen sind Wasserbetten, Luftmatratzen und Kinderbetten — und sie hält ausdrücklich fest, dass die gemessene Härte keinen Bezug zur Bequemlichkeit und/oder Qualität einer Matratze oder eines kompletten Bettes hat. Deutlicher kann eine Norm nicht sagen, dass ein Etikett das Probeliegen nicht ersetzt.

Zur Einordnung der Testlage: Der Matratzentest der Stiftung Warentest (Stand 01.09.2025) umfasst 118 Matratzen und gewichtet Liegeeigenschaften mit 35 %, Haltbarkeit mit 25 %, Komfort, Bezug sowie Gesundheit und Umwelt mit je 10 %, Handhabung und Deklaration mit je 5 %. Die Ergebnisse einzelner Modelle liegen hinter einer Paywall — wir nennen deshalb keine Testsieger, sondern ausschliesslich die frei belegten Aussagen zu den Matratzentypen.

Bei der Haltbarkeit prüfen die Stellen unterschiedlich tief. Stiftung Warentest beschreibt: «Für die Qualitätsbeständigkeit im Dauerwalzversuch rollten wir eine 140-Kilo-Walze 60'000 Mal über die Matratze. Damit simulieren wir eine rund achtjährige Abnutzung.» Das EU-Umweltzeichen für Bettmatratzen stützt seine Haltbarkeitsprüfung ebenfalls auf EN 1957, misst die Abnahme von Höhe und Festigkeit aber als Differenz zwischen den ersten Messungen bei 100 Zyklen und dem Abschluss bei 30'000 Zyklen. Unterschiedliche Prüftiefen, kein Widerspruch. Dass beide Systeme altern, legt eine Messung aus dem Klinikbereich nahe: Bredesen verglich 2020 neue und gebrauchte Standard- und viskoelastische Klinikmatratzen mit 20 gesunden Probanden und mass mittlere Auflagedrücke zwischen 30,28 und 38,37 mmHg (p = 0,011); ältere Standardmatratzen waren weniger komfortabel und wiesen höhere Auflagedrücke auf als neue Standard- und viskoelastische Schaummatratzen. Das war Rückenlage, zehn Minuten, Klinikkontext — auf den privaten Alltag nicht eins zu eins übertragbar. Stiftung Warentest schreibt denselben Satz übrigens sowohl unter Federkern als auch unter Schaumstoff: «Qualität leidet teils unter dem Einfluss von Wärme, Feuchte und Gewicht.»

Regulatorisch stehen beide Systeme unter demselben Dach. Der Beschluss der Kommission 2014/391/EU zum EU-Umweltzeichen für Bettmatratzen regelt Latexschaum, Polyurethanschaum, Drähte und Sprungfedern, Kokosfasern sowie Textilwerkstoffe getrennt, aber im selben Kriterienwerk; für die fertige Matratze gelten Emissionsgrenzwerte von unter 0,5 mg/m³ VOC am Tag 7 oder alternativ unter 0,2 mg/m³ am Tag 28. Kein Material ist damit regulatorisch das von vornherein sauberere — die Werte sind ein Anhaltspunkt beim Kauf, mehr nicht.

Für den Schweizer Markt gibt es einen eigenen Test (publiziert im November 2021): Kassensturz und K-Tipp liessen acht Schaumstoff-Matratzen bekannter Hersteller unter 900 Franken sowie zum Vergleich eine Latex-Matratze prüfen — Langzeittests beim TÜV Rheinland in Nürnberg, Ergonomie beim Ergonomie Institut München. Alle Matratzen erhielten bei der Langzeitbeständigkeit «gut» oder «sehr gut» (60'000 Walzzyklen, entsprechend acht bis zehn Jahren Nutzung); deutliche Unterschiede zeigten sich dagegen bei der Ergonomie. Federkernmodelle waren in diesem Testfeld nicht enthalten — als Systemvergleich taugt er also nicht, wohl aber als Hinweis darauf, wo die Unterschiede in der Praxis liegen: seltener bei der Haltbarkeit, meist bei der Passung.

Für wen passt welches System — und wie Sie es herausfinden

Die Entscheidung fällt an vier Fragen, nicht am Material: Wie warm liegen Sie? Wie kühl ist Ihr Schlafzimmer? Wie fest brauchen Sie es? Und wie handhaben Sie die Matratze im Alltag? Die folgende Zuordnung fasst zusammen, was in diesem Beitrag belegt wurde — sie ersetzt das Ausprobieren nicht. Wichtig zur Einordnung: Die zitierten Tests bewerten Matratzentypen allgemein; die von uns geführten Modelle waren nicht Gegenstand dieser Prüfungen.

Dass Ausprobieren nötig ist, sagen die unabhängigen Stellen selbst. ÖKO-TEST rät: «Nehmen Sie sich Zeit, und probieren Sie im Möbelhaus sämtliche Schlafstellungen aus.» Kassensturz und K-Tipp halten zugleich die Grenze fest: «Ausgerechnet das, was man nicht sieht und beim kurzen Probeliegen im Geschäft auch nicht spürt, ist das wichtigste – die Geometrie einer Matratze.» Beides zusammen ergibt die realistische Erwartung: Probeliegen zeigt Ihnen zuverlässig, wie sich ein System anfühlt — Wärme, Einsinktiefe, Verhalten bei Bewegung. Was es nicht zeigt, ist die Haltbarkeit; dafür braucht es Prüfberichte und Zeit.

Bei uns können Sie beides in Ruhe tun. Im Showroom an der Nüschelerstrasse 30 in Zürich liegen Sie ohne Termin probe, Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr; die Erstberatung ist kostenlos. Unser Sortiment ist, wie eingangs offengelegt, federkernbasiert: DUXIANA ab CHF 5'300, NUVOSETTE-Boxspring ab CHF 3'900, NUVOSETTE-Matratzen ab CHF 2'800, King Koil Reserve Luxury ab CHF 3'500 (alle inkl. MwSt); reine Schaummatratzen führen wir praktisch nur bei Ausziehsofas. Wenn sich im Gespräch zeigt, dass Memoryschaum besser zu Ihnen passt — weil Sie leicht frieren, ein warm gehaltenes Schlafzimmer haben und ein konturnahes Liegegefühl suchen —, dann sagen wir Ihnen das. Lieferung und Montage übernimmt unser eigenes Team schweizweit, in der Regel innert 48 Stunden; die Konditionen dafür nennen wir Ihnen mit der Offerte.

  • Sie schwitzen nachts stark oder Ihnen wird schnell zu warm: Das spricht für Taschenfederkern — Stiftung Warentest attestiert ihm guten Feuchtigkeitstransport und geringe Wärmedämmung — laut Institut gut geeignet für Menschen, denen es schnell zu warm wird.
  • Sie frieren leicht: Das spricht für Schaum oder Latex — laut Stiftung Warentest ist deren gute Wärmeisolation vorteilhaft für Menschen, die leicht frieren; wer leicht friert, liegt demnach auf Schaumstoff und Latex wärmer.
  • Ihr Schlafzimmer ist kühl gelüftet oder kaum geheizt: Viskoschaum ist laut Stiftung Warentest eher schlecht für kühle Räume — bei Kälte erhärte er oft zu einer Liegeschale.
  • Sie suchen ein anschmiegsames, konturnahes Liegegefühl: Das ist die belegte Stärke von Viskoschaum — die Matratzen passen sich laut Stiftung Warentest der Körperform an und wirken dadurch anschmiegsam. Die Kehrseite laut ÖKO-TEST: Auf Bewegungen reagieren sie eher träge.
  • Sie heben und wenden die Matratze selbst: Schaum ist laut Stiftung Warentest in der Regel leichter zu heben und zu wenden als Latex und Federkern; bei Federkern kann das Anheben laut Institut mitunter mühsam sein.
  • Sie legen Wert auf punktgenaue Abstützung: Das entscheidet die Bauart, nicht die Materialklasse — beim Taschenfederkern geben laut ÖKO-TEST nur die belasteten Federn nach, einfache Federkernmatratzen stützen flächig statt punktelastisch.
  • Sie sind bei der Härte unsicher: Weder Härtegrad noch Norm nehmen Ihnen die Entscheidung ab — die Härtegrade unterscheiden sich laut ÖKO-TEST von Hersteller zu Hersteller, und laut EN 1957 hat die gemessene Härte keinen Bezug zur Bequemlichkeit oder Qualität.

Häufige Fragen

Ist Memoryschaum wärmer als Federkern — und für wen ist das ein Vorteil?

Für Schaumstoff allgemein sagt Stiftung Warentest ja — und ob das ein Vorteil ist, hängt an Ihnen. Schaumstoff bietet demnach gute Wärmeisolation, vorteilhaft für Menschen, die leicht frieren, ist aber für Menschen, denen schnell zu warm ist und die stark schwitzen, eher ungeeignet. Federkern beschreibt dasselbe Institut als eher kühl, mit geringer Wärmedämmung und wegen des guten Feuchtigkeitstransports oft gut für stark schwitzende Menschen geeignet. Wer friert, liegt auf Schaum und Latex also wärmer; wer schwitzt, kühler auf Federkern. Ein direkter, unabhängiger Klimavergleich der beiden Systeme mit Messwerten liegt nach unserer Recherche nicht vor.

Stimmt es, dass Memoryschaum von der NASA kommt?

Der Ursprung des Materials ist amtlich belegt: Die NASA dokumentiert in Spinoff 2005, dass Charles Yost das viskoelastische Material 1966 im NASA-Auftrag entwickelte — ein «open-cell, polymeric ‹memory› foam material with unusual viscoelastic properties», zunächst «slow spring back foam» genannt und ab 1969 als «temper foam» vermarktet. Diese Geschichte gehört der Materialklasse, nicht einer einzelnen Marke. Wenn ein Hersteller sagt, sein Material gehe auf NASA-Technologie zurück, ist das eine Herstellerangabe: TEMPUR etwa (eine Marke, die wir nicht führen) schreibt, das eigene Material gehe auf «eine Technologie zurück, die zuerst von NASA-Wissenschaftlern entwickelt und dann an Bord der Space Shuttles eingesetzt wurde». Die Kennzeichnung «Certified Space Technologie™» (Schreibweise der deutschen TEMPUR-Seite) stammt laut TEMPUR von der Space Foundation — einer Non-Profit-Organisation, nicht der NASA — und wird «unter Lizenz verwendet».

Gibt es Studien, die eindeutig sagen, welches System besser ist?

Nein. Nach unserer Recherche existiert keine unabhängige Studie, die Memoryschaum und Federkern direkt gegeneinander an Schlaf-Endpunkten prüft. Der biomechanische Review von Wong und Kollegen (2019) evaluiert Memoryschaum nicht gesondert und klammert Temperatur und Feuchte aus der Auswertung aus. Belegt ist eine Ordnung nach einer anderen Grösse: Radwan und Kollegen (2015) kommen im systematischen Review über 24 kontrollierte Studien zum Schluss, dass ein subjektiv mittelfest empfundenes, individuell anpassbares Bett für Komfort, Schlafqualität und Wirbelsäulenausrichtung optimal ist; Caggiari und Kollegen (2021) bestätigen das. Stiftung Warentest konnte bei Viskoschaummatratzen im Labor keine Vorteile bei Abstützung, Druckverteilung und Liegekomfort ausmachen. Zugleich kann Schaum in kontrollierten Studien gut abschneiden — bei Bergholdt und Kollegen (2008) beeinflusste eine körperformende Schaummatratze Beschwerden, Funktion und Schlaf positiver als eine harte Futon-Matratze, «but the differences were small».

Was sagt der Härtegrad H1 bis H5 wirklich aus?

Weniger, als viele annehmen. Belegt ist zweierlei. ÖKO-TEST schreibt: «Matratzen werden in drei bis vier Härtegraden angeboten. Dabei unterscheiden sich die Härtegrade von Hersteller zu Hersteller.» Ein Härtegrad ist also eine Angabe des jeweiligen Herstellers und über Marken hinweg nicht direkt vergleichbar. Und die europäische Norm EN 1957 hält fest, dass die gemessene Härte keinen Bezug zur Bequemlichkeit und/oder Qualität einer Matratze oder eines kompletten Bettes hat. Die Richtung geben stattdessen Radwan und Kollegen sowie Caggiari und Kollegen vor: Ein subjektiv mittelfest empfundenes, anpassbares Bett schneidet am besten ab — subjektiv heisst, Sie müssen es selbst spüren.

Führt Imperial Interiors auch Memoryschaum-Matratzen?

Praktisch nur bei Ausziehsofas. Unser Sortiment ist federkernbasiert: DUXIANA mit mehrlagigen Federsystemen ab CHF 5'300, die Boxspring-Eigenmarke NUVOSETTE ab CHF 3'900 (NUVOSETTE-Matratzen ab CHF 2'800), King Koil Reserve Luxury ab CHF 3'500 (alle inkl. MwSt) sowie einzelne Lattenrost-Betten mit Federkernmatratzen von Flou. Wir legen das offen, damit Sie diesen Vergleich richtig einordnen können. Zeigt sich im Gespräch, dass Memoryschaum besser zu Ihnen passt, sagen wir Ihnen das. Probeliegen können Sie ohne Termin an der Nüschelerstrasse 30 in Zürich, Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr; die Erstberatung ist kostenlos.

Quellen & Studien

Die Faktenaussagen in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen — im Text jeweils als Studie, Testinstitut, amtliche Angabe, Konvention oder Herstellerangabe gekennzeichnet:

  1. Stiftung Warentest – Matratzentypen im Überblick: Latex, Federkern, Schaum (01.09.2025)
  2. Stiftung Warentest – Matratzen im Test: Testumfang und Prüfmethodik (01.09.2025)
  3. ÖKO-TEST – Matratze kaufen: So finden Sie die richtige Matratze (04.07.2020)
  4. ÖNORM EN 1957 (Ausgabe 2012-12) – Betten und Matratzen, Prüfverfahren zur Bestimmung der funktionellen Eigenschaften (Normendatenbank bdb.at)
  5. Beschluss der Kommission 2014/391/EU – EU-Umweltzeichen für Bettmatratzen (EUR-Lex)
  6. NASA Spinoff 2005, Kapitel «Consumer Goods» – Herkunft des viskoelastischen «temper foam»
  7. TEMPUR Schweiz – Materialseite «Memory Foam» (Herstellerangaben)
  8. TEMPUR Schweiz – Seite «Space Foundation» (Herstellerangaben)
  9. DUXIANA – «The DUX Innovation» (Herstellerangaben, abgerufen 31.08.2026)
  10. Kräuchi K, Fattori E, Giordano A et al. (2018): Sleep on a high heat capacity mattress increases conductive body heat loss and slow wave sleep. Physiology & Behavior 185:23–30
  11. Okamoto-Mizuno K, Mizuno K (2012): Effects of thermal environment on sleep and circadian rhythm. Journal of Physiological Anthropology 31:14
  12. Bergholdt K, Fabricius RN, Bendix T (2008): Better backs by better beds? Spine 33(7):703–708
  13. Radwan A, Fess P, James D et al. (2015): Effect of different mattress designs on promoting sleep quality, pain reduction, and spinal alignment. Sleep Health 1(4):257–267
  14. Caggiari G, Talesa GR, Toro G et al. (2021): What type of mattress should be chosen to avoid back pain and improve sleep quality? Journal of Orthopaedics and Traumatology 22:51
  15. Wong DW, Wang Y, Lin J et al. (2019): Sleeping mattress determinants and evaluation – a biomechanical review and critique. PeerJ 7:e6364
  16. Hong TT, Wang Y, Wong DW et al. (2022): The Influence of Mattress Stiffness on Spinal Curvature and Intervertebral Disc Stress. Biology 11(7):1030
  17. Bredesen IM (2020): Interface Pressures of New and Worn Standard and Viscoelastic Hospital Mattresses. Wound Management & Prevention 66(8):26–31
  18. SRF Kassensturz / K-Tipp – «Für einen gesunden Schlaf: Blick unter die Bettdecke – Matratzen im Test» (16.11.2021)

Hinweis: Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Wissen und ersetzt keine medizinische Beratung. Anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Abklärung.

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