Sleep Divorce: Wenn Paare getrennt schlafen
Immer wieder ist von «Sleep Divorce» die Rede, wenn Paare zumindest zeitweise in getrennten Zimmern schlafen. Dieser Beitrag ordnet anhand einer US-Umfrage und mehrerer Schlafstudien ein, wie verbreitet das Verhalten ist, welche Gründe genannt werden – und wo die Datenlage an ihre Grenzen stösst.
Was «Sleep Divorce» bedeutet – und wie verbreitet es ist
Der Begriff «Sleep Divorce» bezeichnet Paare, die zumindest zeitweise in getrennten Zimmern oder Betten schlafen, um besser zur Ruhe zu kommen. Wie verbreitet dieses Verhalten ist, hat die US-Fachgesellschaft American Academy of Sleep Medicine (AASM) im Sommer 2023 mit einer Umfrage untersucht. Laut dieser im Auftrag der AASM beim Marktforschungsanbieter Atomik Research durchgeführten Online-Umfrage unter US-Erwachsenen schläft mehr als ein Drittel der Befragten gelegentlich oder regelmässig in einem anderen Zimmer als der Partner oder die Partnerin. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Selbstauskunfts-Umfrage aus den USA, nicht um eine wissenschaftliche Studie mit Kontrollgruppe – und nicht um Schweizer Zahlen. Belastbare Erhebungen zu «Sleep Divorce» für Deutschland, Österreich oder die Schweiz liegen unseres Wissens nicht vor.
In derselben Umfrage zeigt sich ein deutlicher Unterschied nach Geschlecht: 45 Prozent der befragten Männer gaben an, gelegentlich oder regelmässig getrennt zu schlafen, bei den Frauen waren es 25 Prozent. Auch zwischen den Generationen gibt es laut Umfrage Unterschiede: 43 Prozent der Millennials berichteten von getrenntem Schlaf, 33 Prozent der Generation X, 28 Prozent der Generation Z und 22 Prozent der Baby-Boomer.
Gründe: Schnarchen, Bewegung im Bett und die Sicht der AASM
Warum entscheiden sich Paare für getrennte Zimmer? Die AASM-Sprecherin Dr. Seema Khosla ordnet den Trend in der Pressemitteilung zur Umfrage so ein: Schlechter Schlaf könne die Stimmung verschlechtern, und schlafgestörte Menschen würden eher mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin streiten; daraus könne Groll gegenüber der Person entstehen, die den Schlaf stört. Trotzdem bedeute «Sleep Divorce», so Khosla, in den meisten Fällen keine Beziehungskrise, sondern schlicht, dass Schlaf priorisiert und bei Bedarf ins eigene Zimmer gewechselt wird. Diese Einordnung ist ein Expertenzitat aus einer Verbands-Pressemitteilung, keine eigene Studie mit Stichprobe – die angesprochenen Konflikt- und Stimmungszusammenhänge werden dort nicht mit Primärquellen belegt.
Ein konkreter, häufig genannter Auslöser ist Schnarchen. Die AASM ordnet lautes Schnarchen als mögliches Warnzeichen einer obstruktiven Schlafapnoe ein und rät in diesem Fall ausdrücklich zur ärztlichen Abklärung statt zur reinen Zimmertrennung – ein Hinweis, der bei beiden Geschlechtern gilt und keine Eigendiagnose ersetzt.
Auch reine Bewegung im Bett spielt eine Rolle. Eine ältere, bis heute oft zitierte britische Aktimetrie-Studie an 46 Paaren (Pankhurst und Horne, 1994) zeigte, dass sich Bewegungen von Bettpartnern nachts teilweise gegenseitig übertragen und Frauen sich dadurch häufiger gestört fühlten als Männer. Gleichzeitig gab die Mehrheit der Befragten in derselben Studie an, mit Partner besser zu schlafen als allein – beide Beobachtungen gehören zum Bild. Eine neuere australische Aktigraphie-Studie an 55 gesunden Paaren ohne diagnostizierte Schlafstörung (Walters et al., 2020, Melbourne) fand, dass im Schnitt gut jede fünfte nächtliche Aufwachphase eines Partners direkt auf das vorherige Aufwachen des anderen folgte – ein Mass für gegenseitige Störung im gemeinsamen Bett, nicht für deren Ursache.
Was Schlafforschung zu Paaren und Beziehung zeigt
Dass Schlaf und Paarbeziehung zusammenhängen, ist in der Schlafforschung kein neues Thema. Ein oft zitierter Übersichtsartikel (Troxel, 2010) begründete den Ansatz, Schlaf nicht nur individuell, sondern als geteiltes, «dyadisches» Verhalten von Paaren zu untersuchen – als Rahmung für weitere Forschung, nicht als eigene Studie mit Messwerten.
Eine Studie an US-Paaren in Pittsburgh (Gunn et al., 2015, 10 Tage Aktigraphie) fand eine minutengenaue Schlaf-Wach-Übereinstimmung zwischen Partnern von 53 bis 88 Prozent; bei Ehefrauen mit hoher Beziehungszufriedenheit war diese Übereinstimmung höher. Die Autorinnen und Autoren klären dabei ausdrücklich nicht, in welche Richtung der Zusammenhang wirkt – ob eine zufriedene Beziehung zu mehr Übereinstimmung führt oder umgekehrt. Ein Beleg für eine Kausalwirkung von gemeinsamem oder getrenntem Schlaf auf die Beziehung liegt darin nicht.
Anders liegt der Fall bei medizinisch behandelter Schlafapnoe: In einer sehr kleinen, älteren Schlaflabor-Studie (Beninati et al., 1999, Mayo Clinic Proceedings, 10 Ehepaare, alle erkrankten Patienten männlich) ging eine CPAP-Behandlung noch in derselben Nacht mit weniger Weckreaktionen und höherer Schlafeffizienz bei den Ehepartnerinnen einher. Die Autoren rechnen dies rechnerisch auf rund 62 zusätzliche Schlafminuten pro Nacht hoch – eine Hochrechnung unter der Annahme von 480 Minuten Bettzeit, kein gemessener Wert. Diese Studie betrifft eine ärztliche Behandlung diagnostizierter Schlafapnoe, keine Matratzen- oder Zimmerwahl, und die Stichprobe ist sehr klein.
Bei Paaren, in denen eine Person eine diagnostizierte Insomnie hat, fanden dieselben Forschenden in einer weiteren Studie (Walters et al., 2020, 52 Paare, Melbourne) eine noch häufigere gegenseitige Übertragung von Weckreaktionen als bei gesunden Paaren – die gesunden Partnerinnen und Partner waren dabei sogar stärker betroffen als die Erkrankten selbst. Dieser Befund stammt aus einer klinischen Sonderpopulation und lässt sich nicht auf gesunde Paare allgemein übertragen.
Getrennt schlafen und Einsamkeit: ein Befund mit Vorbehalt
Ein Befund verdient besondere Vorsicht bei der Einordnung. Eine Querschnittsstudie an 1'292 verheirateten älteren Personen in Taiwan (Chiao et al., 2021, BMC Geriatrics, 50 bis 75 Jahre, Durchschnittsalter 62) fand, dass getrenntes Schlafen statistisch mit höherer emotionaler Einsamkeit einherging. Die Autorinnen und Autoren betonen dabei ausdrücklich, dass ihr Querschnittsdesign keine Kausalität belegen kann: Der Zusammenhang lässt offen, ob getrennter Schlaf zu Einsamkeit beiträgt, ob umgekehrt eine bereits distanziertere Beziehung sowohl zu getrenntem Schlaf als auch zu Einsamkeit führt, oder ob andere Faktoren dahinterstehen. Die Stichprobe stammt zudem aus einer älteren, kulturell anderen Population in Taiwan und lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Schweiz übertragen. Für die Praxis heisst das: Getrenntes Schlafen ist in der vorliegenden Forschung weder eindeutig positiv noch eindeutig negativ für eine Beziehung belegt – die verfügbaren Daten sind durchgehend Beobachtungs- oder Querschnittsdaten, keine Ursachenbeweise.
Eine Zwischenlösung: unterschiedliche Härtegrade im selben Bett
Wer nicht in getrennte Zimmer ziehen möchte, denkt manchmal über einen Mittelweg nach: zwei Matratzen oder zwei Härtegrade nebeneinander im selben Bett. Wissenschaftlich direkt untersucht ist dieses konkrete Setup bei Paaren nach unserer Recherche nicht – belegt ist lediglich, dass die individuelle Härtepräferenz für den Liegekomfort relevant ist: Eine randomisierte Studie an Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (Kovacs et al., 2003, The Lancet, 313 Personen) betrifft allerdings Einzelpersonen mit Rückenschmerz-Diagnose, nicht Paare und nicht getrennte Liegeflächen. Wie Paare die Aufteilung praktisch lösen – durchgehende Matratze, zwei Kerne, Topper gegen die Besucherritze –, behandelt unser Ratgeber zur Bettgrösse und Matratzenaufteilung im Detail. Im Showroom von Imperial Interiors in Zürich lassen sich verschiedene Härtegrade nebeneinander probeliegen – als Ausgangspunkt für ein persönliches Beratungsgespräch, nicht als wissenschaftlich belegte Lösung.
Häufige Fragen
Was bedeutet «Sleep Divorce» genau?
Der Begriff bezeichnet Paare, die zumindest zeitweise in getrennten Zimmern oder Betten schlafen. Laut der AASM-Sprecherin Dr. Seema Khosla bedeutet das in den meisten Fällen keine Beziehungskrise, sondern dass Schlaf priorisiert und bei Bedarf ins eigene Zimmer gewechselt wird.
Wie viele Paare schlafen laut Umfragen getrennt?
Laut einer 2023 im Auftrag der American Academy of Sleep Medicine durchgeführten Online-Umfrage unter 2'005 US-Erwachsenen schläft mehr als ein Drittel der Befragten gelegentlich oder regelmässig getrennt – 45 Prozent der Männer, 25 Prozent der Frauen. Es handelt sich um eine US-Selbstauskunftsumfrage, keine wissenschaftliche Studie und keine Schweizer Zahlen.
Ist getrenntes Schlafen schlecht für die Beziehung?
Das lässt sich aus der vorliegenden Forschung nicht eindeutig beantworten. Eine Querschnittsstudie an älteren verheirateten Personen in Taiwan fand einen statistischen Zusammenhang zwischen getrenntem Schlafen und höherer emotionaler Einsamkeit – die Autorinnen und Autoren betonen aber ausdrücklich, dass ihr Querschnittsdesign keine Ursache-Wirkung belegen kann. Auch andere Studien zur Schlaf-Wach-Übereinstimmung bei Paaren sind rein korrelativ.
Wir schlafen wegen Schnarchen getrennt – was empfiehlt die AASM?
Die AASM rät, lautes Schnarchen ärztlich abklären zu lassen, da es ein mögliches Warnzeichen einer obstruktiven Schlafapnoe sein kann – bei Männern wie bei Frauen. Reine Zimmertrennung ersetzt diese Abklärung nicht.
Gibt es eine Alternative zu komplett getrennten Schlafzimmern?
Manche Paare wählen zwei Matratzen oder unterschiedliche Härtegrade im selben Bett. Eine Studie, die dieses konkrete Setup bei Paaren wissenschaftlich untersucht, liegt nicht vor; belegt ist nur, dass die individuelle Härtepräferenz für den Liegekomfort relevant ist. Im Showroom lässt sich das an verschiedenen Härtegraden ausprobieren.
Quellen & Studien
Die Faktenaussagen in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen — im Text jeweils als Studie, Testinstitut, amtliche Angabe, Konvention oder Herstellerangabe gekennzeichnet:
- American Academy of Sleep Medicine (AASM), Pressemitteilung "Over a third of Americans opt for a 'sleep divorce'", 10.07.2023
- Troxel WM, "It's more than sex: exploring the dyadic nature of sleep and implications for health", Psychosomatic Medicine, 2010
- Beninati W, Harris CD, Herold DL, Shepard JW Jr., "The effect of snoring and obstructive sleep apnea on the sleep quality of bed partners", Mayo Clinic Proceedings, 1999
- Pankhurst FP, Horne JA, "The influence of bed partners on movement during sleep", Sleep, 1994
- Gunn HE, Buysse DJ, Hasler BP, Begley A, Troxel WM, "Sleep Concordance in Couples is Associated with Relationship Characteristics", Sleep, 2015
- Walters EM, Phillips AJK, Boardman JM, Norton PJ, Drummond SPA, "Vulnerability and resistance to sleep disruption by a partner: A study of bed-sharing couples", Sleep Health, 2020
- Walters EM et al., "Sleep and wake are shared and transmitted between individuals with insomnia and their bed-sharing partners", Sleep, 2020
- Chiao C, Lin WH, Chen YH, Yi CC, "Loneliness in older parents: marital transitions, family and social connections, and separate bedrooms for sleep", BMC Geriatrics, 2021
- Kovacs FM et al., "Effect of firmness of mattress on chronic non-specific low-back pain: randomised, double-blind, controlled, multicentre trial", The Lancet, 2003
Hinweis: Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Wissen und ersetzt keine medizinische Beratung. Anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Abklärung.
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