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Gesunder Schlaf10. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Sleep Tourism: das Hotelbett-Gefühl zuhause

Reisende buchen zunehmend gezielt nach Schlafqualität, und Hotels werben mit Kissenmenüs, Verdunkelung und Schalldämmung. Dieser Beitrag ordnet ein, was Forschung und Branchendaten dazu tatsächlich zeigen — und was sich davon für das eigene Schlafzimmer ableiten lässt.

Infografik: Sleep Tourism — Marktprognose, Zufriedenheitsdaten und Laborstudie in Zahlen

Sleep Tourism: eine Markteinordnung, kein Gesundheitsversprechen

Der Begriff «Sleep Tourism» beschreibt Reisen, bei denen guter Schlaf im Mittelpunkt steht — von Kissenmenüs bis zu eigens ausgestatteten Zimmern. Der Marktforscher Grand View Research schätzt in einer Pressemitteilung vom Februar 2025, der globale Sleep-Tourism-Markt werde bis 2030 auf 148,98 Milliarden US-Dollar wachsen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 12,4 Prozent zwischen 2025 und 2030. Solche Zahlen sind eine Markteinschätzung eines kommerziellen Marktforschungsunternehmens, keine amtliche oder wissenschaftliche Erhebung; der vollständige, kostenpflichtige Report mit der zugrunde liegenden Methodik lag uns nicht vor. Der Wellness-Branchenverband Global Wellness Institute — ausdrücklich keine medizinische oder wissenschaftliche Fachgesellschaft — beschreibt in einem Blogbeitrag vom März 2026 als Angebote in diesem Trend unter anderem tageslichtabgestimmte Beleuchtungssysteme, schallgedämpfte Räume, geführte Einschlafrituale, Beratung zum Schlaftracking und eigens gestaltete Bettausstattung. Beide Quellen beschreiben eine Marktbeobachtung, keine geprüfte Wirkung: Dass ein Zimmer mit diesen Merkmalen tatsächlich besser schlafen lässt, ist damit nicht belegt. Für Reisende heisst das: Wer gezielt nach «schlaffreundlichen» Angeboten sucht, findet laut diesen Quellen einen wachsenden, aber uneinheitlichen Markt ohne feste Kriterien — keine geprüfte, einheitlich definierte Kategorie. Die genannten Wachstumszahlen beziehen sich zudem ausschliesslich auf den globalen Markt; spezifische Zahlen für die Schweiz oder den deutschsprachigen Raum liegen in den Quellen nicht vor.

Die unruhige erste Nacht: was die Forschung zum First-Night-Effect zeigt

Dass die erste Nacht an einem neuen Ort oft unruhiger verläuft als die folgenden, ist als «First-Night-Effect» bekannt. Eine Studie von Tamaki und Kollegen (2016, Current Biology) an 35 jungen, gesunden Versuchspersonen zeigt einen möglichen Mechanismus dahinter: In der ersten von zwei Schlafsitzungen im Labor — die Sitzungen lagen rund eine Woche auseinander — blieb eine Hirnhälfte messbar wacher als die andere, wie eine Art «Nachtwache». Dieses Ungleichgewicht der Schlaftiefe korrelierte mit der Einschlafdauer und war in der zweiten Sitzung am selben Ort nicht mehr nachweisbar. Die wachere Hirnhälfte reagierte in der Studie zudem stärker auf unerwartete akustische Reize und löste schnellere Aufwachreaktionen aus; die Autoren deuten dies als evolutionären Überlebensmechanismus in unbekannter Umgebung. Für die Einordnung wichtig: Die Untersuchung fand ausschliesslich im Schlaflabor statt, mit Polysomnographie, EEG, MEG und MRT — nicht in einer echten Hotelumgebung —, und gemessen wurde nur die erste Tiefschlafphase. Die Koautorin der Studie räumt in einer Pressemitteilung der Brown University vom 21. April 2016 selbst ein, dass offen bleibt, ob die wachere Hirnhälfte die ganze Nacht wach bleibt oder im Lauf der Nacht wechselt. Dieselbe Pressemitteilung ordnet den First-Night-Effect als bekanntes Ärgernis für Geschäftsreisende ein und nennt das Hotel als typischen Ort dafür — eine Einordnung der Pressestelle, nicht Teil der im Labor durchgeführten Studie selbst. Dass unruhiger Schlaf während einer einzelnen Hotelnacht deshalb der Gesundheit schadet, lässt sich aus der Studie nicht ableiten; gemessen wurden ausschliesslich Hirnaktivität und Aufwachreaktionen im Labor, keine Gesundheits-Endpunkte. Für mehrere aufeinanderfolgende Reisenächte lässt sich aus den Daten ebenfalls nichts ableiten, da die Studie nur zwei einzelne Sitzungen im Abstand von rund einer Woche verglich, nicht eine Serie von Nächten am selben Ort.

Was Hotelgäste laut Umfragen tatsächlich schlafen lässt

Wie stark Schlafqualität die Zufriedenheit von Hotelgästen prägt, zeigt eine grosse nordamerikanische Gästezufriedenheitsstudie von J.D. Power mit rund 44'890 Antworten aus dem Befragungszeitraum Juni 2018 bis Mai 2019, zitiert im Fachmagazin LODGING. Wenn Gäste eine besser als erwartete Schlafqualität erlebten, lag ihre Gesamtzufriedenheit im Schnitt 114 Punkte höher auf einer 1000-Punkte-Skala — allerdings berichteten nur 29 Prozent der Befragten überhaupt von einer solchen Erfahrung. Als stärkste Einflussfaktoren auf die wahrgenommene Schlafqualität nennt dieselbe Studie den Bettkomfort, die Zimmerruhe, die Kissenqualität, die Raumtemperatur und die Bettwäsche; zusätzliche Extras wie Geräte für weisses Rauschen, Ohrstöpsel und Bademäntel gingen mit höheren Zufriedenheitswerten einher. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine grossangelegte Konsumentenbefragung eines Marktforschungsunternehmens, keine unabhängig kontrollierte Wirksamkeitsstudie — sie misst, was Gäste rückblickend angeben, nicht was sich in einem kontrollierten Vergleich physiologisch verändert. Zusätzlich stammt die Erhebung aus dem Jahr 2019, von vor der Pandemie — als grosse, aber ältere Referenzstudie zu lesen, nicht als aktueller Trendwert.

  • Bettkomfort
  • Zimmerruhe
  • Kissenkomfort und -qualität
  • Raumtemperatur
  • Qualität der Bettwäsche

Verdunkelung, Kissenmenü, Schalldämmung: noch kein Branchenstandard

Die Pressemitteilung von Grand View Research (Februar 2025) beschreibt, dass einzelne Luxushotels Zusatzangebote wie schalldichte Zimmer, Beschwerungsdecken und individuell wählbare Kissen bereithalten — ausdrücklich als Beobachtung bei einzelnen Häusern formuliert, nicht als Branchenstandard. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die RAND-Wissenschaftlerin Wendy Troxel in einem 2025 veröffentlichten Kommentar: Hochwertige Matratzen, funktionale Verdunkelungsvorhänge, Schalldämmung und durchdachte Beleuchtung würden zwar in einzelnen Häusern eingeführt, blieben aber überwiegend auf gehobene Häuser beschränkt, oft als eigene Wellness-Angebote vermarktet. Die RAND-Kommentatorin ordnet diese Entwicklung ausdrücklich als beginnenden Wandel ein, nicht als abgeschlossenen Zustand: Einzelne Häuser würden nachziehen, ein branchenweiter Massstab bestehe aber nicht. Im Ressort Fortune Well des Wirtschaftsmagazins Fortune wird die Harvard-Schlafforscherin Rebecca Robbins mit einer ähnlichen Beobachtung aus Gästesicht zitiert: Reisende würden zunehmend vollgepackte Reiseprogramme zugunsten von Kissenmenüs und früherer Bettruhe zurückstellen — auch das eine journalistische Einordnung mit Expertinnen-Zitat, keine eigene Erhebung mit genannter Stichprobengrösse. Für die eigene Reiseplanung heisst das: Eine bestimmte Zimmerausstattung als gegeben vorauszusetzen, ist nach diesen Quellen nicht gerechtfertigt — sie bleibt eine Frage des jeweiligen Hauses, nicht der Branche insgesamt.

Das Hotelgefühl zuhause: was Gäste selbst als wichtig angeben

Die J.D.-Power-Zahlen aus dem vorigen Abschnitt geben zumindest eine Orientierung, welche Faktoren mit einer höher bewerteten Schlafqualität einhergehen: Bettkomfort, Ruhe im Raum, Kissenqualität, Raumtemperatur und Bettwäsche. Das sind Korrelationen aus einer Zufriedenheitsumfrage, kein Beleg dafür, dass sich diese Faktoren zuhause eins zu eins nachbilden liessen oder dass ein bestimmtes Produkt den Schlaf messbar verändert — es sind aber die Punkte, die Gäste selbst als wichtig einstufen. Wer das im eigenen Schlafzimmer prüfen möchte, kann das in unserem Showroom an der Nüschelerstrasse in Zürich in Ruhe tun: Bett, Matratzenhärte und Kissen lassen sich dort im direkten Vergleich probeliegen, unter anderem aus unserem Sortiment mit DUXIANA, NUVOSETTE und Flou. Eine Beratung ersetzt keine Studie — sie macht aber die eigene Liegeposition zum Ausgangspunkt statt zur Nebensache.

Häufige Fragen

Was ist der First-Night-Effect, und wodurch entsteht er laut Forschung?

Als First-Night-Effect wird die häufig unruhigere erste Nacht an einem neuen Ort bezeichnet. Eine Studie von Tamaki und Kollegen (2016, Current Biology) an 35 jungen, gesunden Versuchspersonen im Schlaflabor zeigt, dass dabei eine Hirnhälfte wacher bleibt als die andere — dieses Ungleichgewicht korrelierte mit der Einschlafdauer und war in einer zweiten Sitzung am selben Ort nicht mehr nachweisbar. Die Untersuchung fand ausschliesslich im Labor statt, mit kleiner Stichprobe und nur zwei Sitzungen; eine echte Hotelumgebung oder mehrere aufeinanderfolgende Nächte wurden nicht untersucht.

Wie gross ist der globale Sleep-Tourism-Markt laut aktuellen Schätzungen?

Der Marktforscher Grand View Research bezifferte den globalen Sleep-Tourism-Markt in einer Pressemitteilung vom Februar 2025 auf einen erwarteten Wert von 148,98 Milliarden US-Dollar bis 2030, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 12,4 Prozent zwischen 2025 und 2030. Das ist eine Schätzung eines kommerziellen Marktforschungsunternehmens, keine amtliche Statistik; die Methodik des vollständigen, kostenpflichtigen Reports haben wir nicht eingesehen.

Was schätzen Hotelgäste laut Umfragen an ihrem Schlaf am meisten?

Laut der J.D.-Power-Gästezufriedenheitsstudie mit rund 44'890 Antworten (Befragungszeitraum Juni 2018 bis Mai 2019) sind Bettkomfort, Zimmerruhe, Kissenqualität, Raumtemperatur und Bettwäsche die stärksten Einflussfaktoren auf die wahrgenommene Schlafqualität. Wenn Gäste eine besser als erwartete Schlafqualität erlebten, lag ihre Gesamtzufriedenheit im Schnitt 114 Punkte höher auf einer 1000-Punkte-Skala — berichtet haben das aber nur 29 Prozent der Befragten.

Ist eine schlaffreundliche Zimmerausstattung inzwischen Hotelstandard?

Nein, laut den vorliegenden Quellen nicht. Sowohl die Pressemitteilung von Grand View Research als auch ein Kommentar der RAND-Wissenschaftlerin Wendy Troxel beschreiben Merkmale wie Verdunkelungsvorhänge, Schalldämmung, Beschwerungsdecken oder Kissenmenüs ausdrücklich als Angebote einzelner, meist gehobener Häuser — nicht als branchenweiten Standard.

Lässt sich das Hotelbett-Gefühl zuhause nachbilden?

Belegt ist das nicht im Sinn einer wissenschaftlichen Wirksamkeitsstudie — dazu liegen keine Daten vor. Die J.D.-Power-Umfrage zeigt aber, welche Faktoren Hotelgäste selbst mit höher bewerteter Schlafqualität in Verbindung bringen: Bettkomfort, Ruhe, Kissenqualität, Raumtemperatur und Bettwäsche. Diese Punkte lassen sich im eigenen Schlafzimmer prüfen, etwa beim Probeliegen in unserem Showroom in Zürich.

Quellen & Studien

Die Faktenaussagen in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen — im Text jeweils als Studie, Testinstitut, amtliche Angabe, Konvention oder Herstellerangabe gekennzeichnet:

  1. Tamaki M, Bang JW, Watanabe T, Sasaki Y (2016): Night Watch in One Brain Hemisphere during Sleep Associated with the First-Night Effect in Humans. Current Biology 26(9), 1190-1194
  2. Tamaki et al. (2016), Volltext PMC4864126
  3. Brown University News: 'Asleep somewhere new, one brain hemisphere keeps watch', 21.04.2016
  4. Grand View Research: 'Sleep Tourism Market Size To Reach $148.98 Billion By 2030' (Pressemitteilung, Februar 2025)
  5. Fortune Well: 'Sleep tourism' (Artikel vom 13.01.2024), Zitat Rebecca Robbins, Harvard Medical School Division of Sleep Medicine
  6. Global Wellness Institute: 'Sleep Initiative Trends for 2026' (Blogbeitrag, 30.03.2026)
  7. Wendy M. Troxel (RAND), 'The Missing Star in Your Hotel Review? Sleep Quality', RAND Commentary, 13.08.2025
  8. J.D. Power 2019 North America Hotel Guest Satisfaction Index Study, zitiert in LODGING Magazine, 24.07.2019

Hinweis: Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Wissen und ersetzt keine medizinische Beratung. Anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Abklärung.

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