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Wohnen & Einrichten10. September 2026 · 8 Min. Lesezeit

Quiet Luxury im Interieur: Zurückhaltung als Gestaltungsprinzip

«Quiet Luxury» beschreibt einen 2023 aus der Modewelt in den Wohnbereich übertragenen Gestaltungstrend: hochwertige, zurückhaltende Materialien statt auffälliger Logos. Dieser Beitrag ordnet ein, woher der Begriff stammt, was Fachleute darunter verstehen und was sich davon wissenschaftlich nicht belegen lässt.

Infografik: Quiet Luxury im Interieur — Beleglage vom Modebegriff zum Einrichtungstrend

Ein Sprachtrend aus der Mode, angekommen im Interieur

«Quiet Luxury» ist zunächst ein Beobachtungsbegriff aus der Sprachforschung, kein etablierter Fachterminus. Der Sprachbeobachtungs-Blog des Cambridge Dictionary dokumentierte den Ausdruck am 5. Juni 2023 als neu beobachtete Wortverbindung und beschrieb ihn dort als Modetrend für Kleidung von sehr hoher Qualität, gut geschnitten und in neutralen Farben; einen eigenen Haupteintrag im Wörterbuch selbst gibt es dafür nicht. Im selben Blogeintrag wurde mit «blandstanding» ein verwandter Begriff für das Tragen einfacher, praktischer, aber sehr teurer Kleidung geführt – ein Hinweis darauf, dass «Quiet Luxury» Teil einer breiteren Sprachbewegung um bewusst unauffälligen Luxus war, kein isoliertes Einzelphänomen.

Wie schnell sich der Begriff 2023 verbreitete, zeigt eine Google-Trends-Auswertung im Auftrag einer britischen Modemarke, zitiert im Lifestyle-Magazin Robb Report: Die Suchanfragen nach «quiet luxury» stiegen demnach im April 2023 innerhalb eines Monats um 373 Prozent, nach «stealth wealth» um 334 Prozent. Zur Einordnung: Das ist eine kommerzielle Markenanalyse auf Basis von Suchvolumen über einen kurzen Zeitraum, keine wissenschaftliche Erhebung, und sie betrifft Mode, nicht Einrichtung. Begründet wurde der Anstieg im selben Artikel mit einer allgemeinen Abkehr von auffälligen Logos hin zu Schnitt, Design und Materialqualität. In der Design- und Einrichtungspresse ist der Begriff spätestens ab Sommer 2023 belegt: Die britische Einrichtungszeitschrift Livingetc führte ihn im August 2023 für den Wohnbereich, im Dezember 2023 beschrieb ihn das Medienportal der Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile als Trend, der aus der Mode kommt und in die Designbranche übergeht, mit der Kurzformel «Qualität, Nüchternheit, keine Zurschaustellung». Ein gesicherter Erstbeleg für den Interior-Kontext liess sich nicht ermitteln.

Für die Einordnung ist wichtig, dass alle bisher genannten Quellen redaktionelle Beobachtungen oder kommerzielle Markenanalysen sind, keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Weder der Cambridge-Sprachblog noch die zitierte Google-Trends-Auswertung sind mit einem offiziellen Wörterbuch-Haupteintrag oder einer akademischen Studie gleichzusetzen – beide dokumentieren lediglich, dass ein Begriff auftaucht beziehungsweise gesucht wird, nicht, wie verbreitet die dahinterliegende Gestaltungspraxis tatsächlich ist oder welche Wirkung ihr zugeschrieben werden kann.

Was Innenarchitektinnen und Innenarchitekten darunter verstehen

Für den Wohnraum beschreibt der New Yorker Innenarchitekt Artem Kropovinsky, zitiert im britischen Magazin Livingetc (August 2023), «Quiet Luxury» als eine Eleganz, die flüstert statt schreit – eine Vielzahl von Details, die harmonisch zusammenwirken, ohne die Sinne zu überwältigen. Entscheidend an dieser Formulierung ist die Betonung des Zusammenspiels: Nicht ein einzelnes auffälliges Element steht im Vordergrund, sondern das Ineinandergreifen vieler kleiner, sorgfältig gewählter Details. In derselben Reportage ordnet der New Yorker Architekt Andrew Kotchen den Stil im Wohnbereich als nicht performativ ein, sondern als auf Komfort, Leichtigkeit und Qualität ausgerichtet, mit Fokus auf Funktionalität, Handwerkskunst, Schönheit und Leichtigkeit.

Das deutschsprachige Ratgeberportal Immowelt ordnet «Quiet Luxury» im Interior Design in einem aktuellen Beitrag (2026) ähnlich ein: als hochwertige Zurückhaltung mit schlichten, aber edlen Möbelstücken, natürlichen Materialien wie Holz und Marmor sowie neutralen Farbkonzepten. Möbel und Dekorelemente sollen dabei nicht nach Aufmerksamkeit verlangen, sondern durch feine Details und Langlebigkeit überzeugen – so die Formulierung des Portals. Über alle drei Quellen hinweg zeigt sich damit ein gemeinsamer Nenner: Der Massstab liegt weniger in der Herkunft eines einzelnen Möbelstücks als in der Frage, wie sorgfältig Material, Verarbeitung und Farbwahl im Gesamtbild aufeinander abgestimmt sind.

  • «Eine Eleganz, die flüstert statt schreit» – Artem Kropovinsky in Livingetc, August 2023
  • Nicht performativ, sondern auf Komfort, Leichtigkeit und Qualität ausgerichtet – Andrew Kotchen in Livingetc, August 2023
  • Schlichte, edle Möbelstücke, natürliche Materialien, neutrale Farbkonzepte – Immowelt, 2026
  • Feine Details und Langlebigkeit statt Aufmerksamkeit-Heischen – Immowelt, 2026

Materialien: Textur und Haptik statt Logo

Mehrere der zitierten Fachleute rücken die Materialwahl in den Mittelpunkt. Die Innenarchitektin Lisa Staton beschreibt gegenüber Livingetc (August 2023) eine Mischung aus alten und neuen Elementen und eine Bandbreite an Texturen; Samt, Messing, Stein und Leder gelten für sie als einladende Materialien, die – so ihre eigene Einschätzung – mit der Zeit besonders schön altern. Diese Betonung der Langlebigkeit steht im Gegensatz zu kurzlebigen, austauschbaren Dekorartikeln: Ein Material, das Gebrauchsspuren zeigen darf, statt sie zu verstecken, gilt in dieser Lesart als hochwertiger, nicht als abgenutzt.

Der Architekt Vincent Van Duysen misst laut Salone Milano (Dezember 2023) der Auswahl natürlicher und organischer Materialien grosse Bedeutung bei; nach seiner eigenen Aussage vermitteln sie ihm ein Gefühl von Ruhe und Vollständigkeit, und einen wesentlichen Teil der Emotion in seiner Arbeit führt er auf die taktilen Aspekte und das Zusammenspiel der Texturen zurück. Seinen Gestaltungsansatz beschreibt er selbst als eine Art visuelle Stille, die nach seiner eigenen Vorstellung Komfort fördern und Räume schaffen soll, in denen Menschen abschalten können. Das sind, wie hier eingeordnet werden muss, subjektive Gestaltungsabsichten eines einzelnen Architekten zu seiner eigenen Arbeit – keine belegten Wirkungen auf Wohlbefinden oder Gesundheit, und auch keine Aussage, die sich verallgemeinern liesse. Wer diese Einschätzungen liest, sollte sie deshalb als Geschmacksurteile erfahrener Gestalterinnen und Gestalter verstehen, nicht als geprüfte Eigenschaft eines Materials.

Abgrenzung zu Minimalismus

«Quiet Luxury» wird in der Fachpresse ausdrücklich vom Minimalismus unterschieden – eine Verwechslung, die beim ersten Betrachten naheliegt, weil beide Stile auf laute Statements verzichten. Der Autor Wim Pawels, der 2023 einen Bildband mit 18 internationalen Interieurs zum Thema veröffentlichte, grenzt laut Salone Milano (Dezember 2023) beide Ansätze klar voneinander ab: Minimalismus stehe für eine funktionale, reduzierte Ästhetik, während «Quiet Luxury» Räume beschreibe, die weiterhin üppig und komfortabel seien – der Unterschied liege im Umgang mit Materialien, Farben, Details und Atmosphäre, nicht in der Menge der vorhandenen Möbel und Objekte.

Das Mailänder Designstudio Studiopepe formuliert es laut derselben Quelle ähnlich: «Quiet Luxury» sei nicht nur die zeitlose, nicht alternde Eleganz von Räumen, sondern vor allem eine Lebensphilosophie und eine «Wiederentdeckung wesentlicher, gut gemachter Dinge». In dieser Lesart geht es also weniger um eine feste Einkaufsliste bestimmter Materialien als um eine Haltung gegenüber der eigenen Einrichtung: bewusst wenige, dafür sorgfältig ausgewählte und langlebige Stücke statt eines schnellen Austauschs von Dekor.

Grenzen der Einordnung – und was das für die Möbelwahl bedeutet

Bei aller Beschreibungstiefe der zitierten Fachleute bleibt festzuhalten: «Quiet Luxury» ist ein presse- und marktgetriebener Trendbegriff, kein wissenschaftlicher Fachterminus und kein Prüfsiegel. Es existiert keine uns bekannte psychologische oder wissenschaftliche Studie, die «Quiet Luxury» als Einrichtungsstil untersucht oder seine Wirkung auf das Wohlbefinden misst – alle hier zusammengetragenen Einschätzungen stammen von einzelnen Architektinnen, Architekten, Designstudios und Redaktionen, nicht aus einer repräsentativen oder kontrollierten Untersuchung. Auch die eingangs genannten Suchdaten sagen nichts darüber, wie viele Wohnungen tatsächlich in diesem Sinn eingerichtet werden – sie messen ausschliesslich, wie oft ein Begriff online gesucht wurde. Wer sich davon leiten lassen möchte, versteht den Begriff deshalb am besten als Orientierung für einen Gestaltungsansatz – hochwertige, langlebige Materialien, zurückhaltende Formensprache, neutrale Farben – und nicht als geprüften Standard oder als Kategorie mit festen Kriterien.

Für alle, die diesen Gestaltungsansatz zu Hause umsetzen möchten: Wer diesen Gestaltungsansatz zu Hause umsetzen möchte, findet in unserem Showroom Betten und Wohnmöbel mit zurückhaltender Formensprache und unterschiedlichen Materialausführungen zum Vergleichen. Das ersetzt keine der oben beschriebenen Einschätzungen einzelner Fachleute – am Ende entscheidet der persönliche Eindruck vor Ort und nicht ein Trendbegriff.

Häufige Fragen

Was bedeutet «Quiet Luxury» beim Wohnen?

Es ist ein presse- und marktgeprägter Begriff für einen zurückhaltenden Einrichtungsstil: hochwertige, langlebige Materialien und eine ruhige Formensprache statt auffälliger Logos oder Statement-Stücke. Der New Yorker Innenarchitekt Artem Kropovinsky beschreibt ihn gegenüber Livingetc (August 2023) als eine Eleganz, die flüstert statt schreit; das Ratgeberportal Immowelt (2026) fasst ihn als hochwertige Zurückhaltung mit schlichten, edlen Möbelstücken, natürlichen Materialien und neutralen Farbkonzepten.

Woher kommt der Begriff «Quiet Luxury»?

Aus der Modeberichterstattung: Der Sprachbeobachtungs-Blog des Cambridge Dictionary dokumentierte «quiet luxury» am 5. Juni 2023 als neu beobachtete Wortverbindung für einen Modetrend, ohne dass daraus ein eigener Wörterbuch-Haupteintrag wurde. Eine im April 2023 im Magazin Robb Report zitierte Google-Trends-Auswertung einer britischen Modemarke verzeichnete einen Anstieg der Suchanfragen um 373 Prozent innerhalb eines Monats, begründet mit einer Abkehr von auffälligen Logos hin zu Schnitt und Qualität. Für den Wohnbereich ist er spätestens ab August 2023 belegt (Einrichtungszeitschrift Livingetc), im Dezember 2023 beschrieb ihn auch das Medienportal der Möbelmesse Salone del Mobile; ein gesicherter Erstbeleg für den Interior-Kontext liess sich nicht ermitteln.

Ist «Quiet Luxury» dasselbe wie Minimalismus?

Nein, laut der Einordnung von Wim Pawels (zitiert bei Salone Milano, Dezember 2023) nicht: Minimalismus stehe für eine funktionale, reduzierte Ästhetik, während «Quiet Luxury» Räume beschreibe, die weiterhin üppig und komfortabel seien. Der Unterschied liegt demnach im Umgang mit Materialien, Farben, Details und Atmosphäre, nicht im Grad der Reduktion.

Welche Materialien gelten als typisch für «Quiet Luxury»?

In den zitierten Fachbeiträgen werden vor allem Samt, Messing, Stein und Leder genannt (Lisa Staton in Livingetc, August 2023) sowie natürliche und organische Materialien allgemein (Vincent Van Duysen laut Salone Milano, Dezember 2023). Immowelt (2026) nennt zusätzlich Holz und Marmor in Kombination mit neutralen Farbkonzepten. Es handelt sich um wiederkehrende Beobachtungen einzelner Fachleute, nicht um eine verbindliche oder geprüfte Materialliste.

Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirkung von «Quiet Luxury»-Einrichtung auf das Wohlbefinden?

Nein. Uns ist keine psychologische oder wissenschaftliche Studie bekannt, die «Quiet Luxury» als Einrichtungsstil untersucht oder seine Wirkung auf Wohlbefinden oder Gesundheit misst. Aussagen wie die von Vincent Van Duysen, seine Materialwahl vermittle ihm ein Gefühl von Ruhe, sind persönliche Einschätzungen eines Architekten zu seiner eigenen Gestaltungsabsicht – keine belegten gesundheitlichen Effekte.

Quellen & Studien

Die Faktenaussagen in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen — im Text jeweils als Studie, Testinstitut, amtliche Angabe, Konvention oder Herstellerangabe gekennzeichnet:

  1. Cambridge Dictionary Blog ('About Words'), Eintrag 'New words – 5 June 2023'
  2. Robb Report, Tori Latham, 'Searches for Quiet Luxury Have Skyrocketed 373% Over the Past Month, New Research Says'
  3. Livingetc, Ellen Finch, '10 living rooms that have perfected the quiet luxury trend'
  4. Salone Milano (Salone del Mobile.Milano), Marta Galli, 'Quiet luxury: an impression of discreet luxury, also in design'
  5. immowelt.de (Ratgeber), Andreas Steger, 'Dein Zuhause wirkt unruhig? Diese 5 Quiet-Luxury-Ideen lassen es sofort edler aussehen'

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